m i t   d e r   R u t e   u n t e r w e g s  



Oste
Oktober 2012

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Ein langes Wochenende in der Heimat. Das Wetter ist mies. Regen, Kälte, Sturm. Ich komme an die Oste zur Flut im Morgengrauen und fische bis die Buhnen wieder aufgetaucht sind und die Ebbströmung richtig Fahrt aufgenommen hat. Und das jeden Tag. Aber es bringt nichts. Gar nichts. Nur kalte Pfoten.

Dann sind da noch die Gräben, die sich schnurgerade durch Rinderweiden und Obsthöfe zur Oste erstrecken. Hechtgräben. Der Wind treibt massige Wolken über das flache Marschland und nimmt auch die Fliege mit, ohne auf einen sauberen Rückschwung zu achten.  Die Würfe werden einfach zum anderen Ufer geweht. Das sieht nicht gut aus, aber es funktioniert. Und ein feister Grabenhecht stand schon in Kindertagen ganz oben auf meiner Wunschliste.



Fünen (DK)
April 2012

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Wieder an der Nordküste Fünens. Das Wasser hat noch keine 10 Grad. und  wir werden vom Hornhecht verschont.  An einigen Stellen bemühen wir uns auch vergeblich um eine Meerforelle, aber an anderen läuft es dann deutlich besser.

Unsere Woche wird von einer Südwetterlage  geprägt, die eine Auswahl  von  Ententeich bei Sonnenschein über ergiebige  Regenschauer  bis zu stürmischen Böen mit starker Brandung präsentiert. Und das bei geringen Temperaturen. Komische Südwetterlage.

Immerhin haben wir niedrige Wasserstände.  Das hilft  an manchen Stellen.  Die Angelei beschert uns einige schöne Fische vor einem eindrucksvollen Küstenpanorama und auch das Tierreich
schenkt uns den einen oder anderen Blick auf Vertreter, die man eher selten zu Gesicht bekommt.

Insofern haben wir  nur wenig Grund zum Jammern.

 






Oste
Juni 2011

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Ich laufe in Gummistiefeln durch die Außendeichwiesen der Oste. Wie vor 30 Jahren. Heute jedoch ohne Sitzkiepe, Futtereimer und Posenruten.

Ich habe nun eine Fliegenrute dabei, bestückt mit einer kleinen Lametta-Fliege. Es ist relativ sinnlos, diesen Köder durch das trübe Wasser
zu ziehen,  egal  ob bei Flut- oder Ebbstrom, an Schilfkanten oder Buhnenköpfen. Aber ich tue dies recht regelmäßig  - immer wenn ich wieder in der Heimat bin. Manchmal bequemt sich ein Zander aus der Deckung und schnappt den Glitzerzopf.  Doch das ist eigentlich nicht seine Art.

Dieses Mal hatte ich Glück und schon am ersten Abend nahm ein schöner Zander die Fliege.

Das übrige Wochenende genoss ich den Ausblick über die Ufer und Wiesen, dachte an meine Jugend zurück und versuchte mich an raubenden Rapfen, sofern ich sie überhaupt fand.  Und auch hier hatte ich Glück.

Wenn ich nun erzählen würde, dass  mir bei der Angelei an der Oste auch noch ein Seehund begegnete, würde die Sache vollends
unglaubwürdig. Aber so sind wir Angler.







Fünen (DK)
Mai 2011

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Es ist Mai und wir sind endlich wieder auf Fünen. Die Luft ist warm und die See ruft. Fahrräder vom Auto, Schnurkörbe in die Packtaschen, Mützen auf und los. Die Watjacken bleiben im Sommerhaus.

Endlich am Wasser. Runter vom Rad, Rute raus und Schnur in die Schüssel.  Es rupft und reißt sofort an der Fliege. Hornhechte. Ich will Forellen.

Wir bleiben bis es dunkel wird. Die Hornhechte auch. Ich wechsle die Fliegen und schrecke nicht vor XXL-Borstenwürmern zurück. Die Hornhechte auch nicht. Gegen zehn geben wir auf. Keine Forellen.


In der Morgendämmerung geht es wieder los. Die Nacht ist erbärmlich kurz.  Als wir am Strand ankommen, sind die Hornhechte schon da. Schweinswale räumen in Wurfweite unter den Grüngräten auf. Vergeblich.

Wenn man sich an das ständige Gezerre gewöhnt hat, fängt man auch mal eine Meerforelle oder abends kleine Dorsche oder eine verwirrte Scholle. Oder eine Meeräsche.

Ab und an sollte man auch einen Blick in die Natur werfen. Es lohnt sich.
 











Ö. Ringsjön (S)
August 2010

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Familien-Radtour durch Dänemark nach Südschweden. Mit Schlafsack und  Zelt von Campingplatz zu Campingplatz.

Für den Fall, dass sich zufällig ein mit Fischen bevölkertes Wasser in der Nähe des Schlafplatzes befindet, habe ich eine Notausrüstung zum Fliegenfischen dabei. Gewatet wird in Shorts, soweit sich denn eine Gelegenheit zum Angeln ergibt.


Es dauert eine Weile. Doch dann campen wir an einer  flachen Bucht, die am Tage von Badenden und Booten bevölkert  und  in der Abenddämmerung von raubenden Barschen aufgesucht wird.

Am frühen Morgen, wenn in den Zelten noch hingebungsvoll geschnarcht wird,  sausen  bereits
Eisvögel geschäftig am Ufer entlang und ein Fischadler streicht im Tiefflug über die Bucht. Die Barsche sind  allerdings noch nicht in Frühstückslaune.

 




Fünen (DK)
April 2010

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Alle Jahre wieder. Eine Woche Ferienhaus in Hasmark Strand im Frühjahr.

Wassertemperatur 7 bis 8 Grad. Nicht gerade viel, aber angesichts des harten Winters der Fünens Küsten vereisen ließ, ganz passabel. 


Es erwartete uns eine kalte Woche mit Nachtfrösten, strammen Winden aus westlichen Richtungen, wechselndem Wetter mit Schnee- und Graupelschauern inklusive den dazugehörigen Temperaturstürzen.

Zumindest waren wir auf keinem Flughafen gestrandet um auf das Abziehen von isländischer Vulkanasche zu warten.  Insofern hatten wir es mit unserem Urlaub noch ganz gut getroffen.

Die Meerforellen waren nicht besonders beißfreudig,  aber bei sonnigen Phasen um die Mittagszeit ging die eine oder andere an den Haken.  Die Fische waren durchweg in einer guten Kondition und im Vergleich zu den vergangen Jahren im Schnitt sogar etwas größer.
 

   







Lahn
September 2009

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Eine träge  Strömung  zieht durch die langen Fahnen der wogenden Wasserpflanzen. Seit Wochen herrscht Niedrigwasser in der Lahn.

Ich pirsche mit einem kleinen Flatwing-Streamer durch den Fluss und  suche nach Barschen. Die guten - und jetzt ausgesprochen flachen - Stellen habe ich in kurzer Frist ruiniert, weil meine Fliege immer wieder Grünzeug apportiert. Vor mir liegt jetzt ein tiefer Kolk, abgeschirmt von braungrünen Wäldern aus Kraut und Stielen.

Wenn Barsche, dann hier. Beim zweiten Wurf gleich ein Biss. Der Widerstand ist nicht gewaltig aber für einen Barsch ganz gut. Der Fisch drängt ins Kraut und ich würde  zu gern sehen, was es ist. Doch ich bekomme ihn nicht heraus. Plötzlich steigt ein Fisch an die Oberfläche, der viel zu groß für einen Barsch und für mein 16er Vorfach ist. Ein Döbel mit dem Kreuz eines Karpfens. Kraut hängt über dem mir zugewandten Auge, so dass der Döbel  seine Lage nicht so richtig begreift. Ich ziehe den Kescher vom Rücken und mir ist bewußt, dass bei einer falschen Berührung das Wasser explodieren wird. 

 




 
Fünen (DK)
Oktober 2008

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Die Herbstferien mit der Familie in einem Sommerhaus auf Nordfünen. Und ich kann endlich wieder die vertrauten Küstenabschnitte mit meiner Fliegenrute besuchen.

Jeden Morgen marschiere oder radele ich auf langen Schotterpisten in der letzen Dunkelheit der Nacht zum Strand. Im ersten Licht sind die Konturen der Reiher zu erahnen, die reglos am Wasser stehen. 

Nachdem ich die Schnur von der Rolle gezogen und anschließend in die obligatorische Orvis-Schüssel gestrippt habe, schwinge ich meine Pattegrisen über die Ostsee. Ich habe mir vorgenommen, diesmal konsequent und zügig mit dem kleinen "Schweinchen" zu fischen, um meine Chancen auf die im Herbst besonders heiklen Forellen der 50+-Kategorie zu verbessern.

Ein feiner Plan, würden die Fliegen ihre Stielaugen und Fühler nicht in regelmäßigen Abständen um den Hakenbogen wickeln. Und selbst Exemplare in einwandfreiem Zustand sind offensichtlich dem Rückenschwimmen nicht abgeneigt. 

Fischer und Fische lernen schnell, eine Fliege mit tadellosem Lauf zu erkennen. Während der Fischer sich inständig bemüht das gute Stück zu schonen, setzen die Fische alles daran, es nach Kräften zu zerrupfen.

Und so sitzt der Fischer abends unter einer funzeligen Stehlampe am viel zu tiefen Couchtisch um mit lachsfarbigem Bindematerial  eine neue Pattegrisen herzustellen. Eine. Denn erst der nächste Tag wird zeigen, wie sie im Wasser spielt, wie sie läuft und wie sie nach dem hundertsten Wurf noch aussieht.  

Und irgendwann ist es geschafft: Die schwimmstabile, bissfeste Garnelenfliege in Schweinchen-Rosa, die im Wasser so unvergleichlich pulsiert - sie ist reproduzierbar.

Dieser Herbst auf Fünen hat mir mit meiner Pattegrisen viel Freude bereitet. Aber auch die Kollegen hatten mit ihren Lieblingsmustern keinen Grund zu klagen.







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Lahn 
September 2007

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Samstagnachmittag an der Lahn.  Ganze Schleusen- ladungen von  Kanus treiben  vorbei.  "Meine" Strecke wird gerade mit einem Gummifisch durchkämmt und ein Traktorkorso fährt mit viel Gehupe auf der Uferstraße.
 

Ich ziehe meine Wathose an und sondiere die Lage. Mit seinen hüfthohen Watstiefeln kann der Spinnfischer die benachbarte Brücke nicht erreicht haben. Aber ist das angesichts des ganzen Trubels noch von Bedeutung?

Von der Brücke erkenne ich große Döbel, die wie üblich an der Strömungskante des Pfeilers  stehen. Diese Döbel sind erfahrungsgemäß ganz besonders heikel. 

Ich  montiere einen Fischchenstreamer an langer 15er  Spitze,  steige in die Lahn und wate flussabwärts zur Brücke. Mein erster Wurf erfolgt aus der Deckung einer kleinen Landzunge vor dem Brückenpfeiler in das dahinterliegende Kehrwasser.
 
Ein Biss schlägt in die 4er Rute. Der Fisch kämpft hart aber gar nicht döbelartig. Es ist ein schöner hochrückiger Fisch mit Streifen. Jetzt werde ich langsam wieder locker.

 
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Langeland (DK)
April 2007

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Wieder Langeland. 

Ankunft bei  strahlender Sonne, sommerlichen Temperaturen und einer abendlichen Windstille. Das Wasser ist fast 10 Grad warm. Im April. Ein schönes Ferienhaus mit Blick über die Steilküste auf die Ostsee. Endlich mal kein Gefriere. Richtig Urlaub. Und schöne Meerforellen? Und vielleicht schon Hornhechte? Der Raps steht jedenfalls in voller Blüte. Könnte doch sein. Auf jeden Fall Dorsche.

Eine Woche später sieht die Sache dann differenzierter aus. Das Haus wurde von westlichen Winden durchgeschüttelt und die Heizung mußte nochmal ran. Die Hornhechte wußten offensichtlich nicht, dass der Raps dieses Jahr drei Wochen früher blüht und  an den Meerforellen haben wir konsequent vorbei geangelt.

Aber allabendlich, vor Einbruch der Dunkelheit, der erlösende Ruck der die Existenz von Fischen in der Ostsee vermeldet. Ein störrisches Ziehen in der Fliegenrute, dem  ab und an die Schnurhand nachgeben muß, wenn sich die Rute über dem Horizont verneigt. 

Auf den Dorsch war Verlass. 
 
 
 

 

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Potsdam / Berlin 
Dezember 2006

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Seminarveranstaltung in Berlin nahe Ku'damm. Nach meinem letzten Vortrag laufe ich durch den Advents- trubel zur S-Bahn und fahre nach Spandau, wo ich abgeholt werde. Mit Schlips und Kragen geht es direkt bis zum Bootshaus. Raus aus den Klamotten und die Fliegenrute aus dem Rollkoffer gezerrt. 

Ich hatte vor dem Abflug nach Berlin in der Zeitung gelesen, dass es ein Seeadlerpaar am Wannsee gibt. Bevor ich mich über den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte erkundigen kann, schwebt einer dieser mächtigen Greifvögel über den See. 

Ein grauer milder Dezembertag. Wir fahren mit einem Fischerkahn zur gegenüberliegenden Uferseite und beangeln die steil abfallende Uferkante mit gelben Bunnies. Der See ist still. Kein Wind. Kein Betrieb. Ab und zu ein Fischkontakt. Nichts spektakuläres. Die Dämmerung bricht über diesen warmen Wintertag herein. Nach meinem Empfinden ist es das so langsam gewesen.

Wir fischen noch eine Schneise im Schilf ab, die einen kleinen Zulauf hat. Und ich bekomme meinen Biss und einen Drill unter dem Boot für den man eine 8er Rute gut gebrauchen kann. 

Ein toller Anfang. Denn mein Flieger zurück geht erst morgen abend.


 
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Langeland (DK)
März 2005

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Wieder nach Langeland. Die Straßen waren gesäumt von mächtigen schmutzigen Schneefeldern. Der Wind bitterkalt und die Ostsee mit 1 bis 2 ° Grad auch nicht wärmer. Das Wohnzimmer im Ferienhaus ohne funktionierende Heizung und der Satellitenempfang im Eimer. Na toll. 

Das Eis auf dem ramponierte Vogelbad im Hinterhof schmolz auch in den nächsten Tagen nicht. Vereiste Laufringe, Schnee auf den Schultern, kalte Pfoten und kein Fisch. Nicht mal der Dorsch kam am Abend in Ufernähe. Und das auf Langeland. Im März ! 

Mitte der Woche verdrängte ein Tief die Kaltfront aus Grönland und  erhitzte Langeland auf 5 bis 7 Grad. Welch ein Luxus. Auch die Heizung ging wieder. An Hollywood mit dänischen Untertiteln hatten wir uns mittlerweile gewöhnt. 

Der erste Kontakt mit der Konkurrenz am Wasser ergab, dass mit eisernem Willen auch an den Vortagen insgesamt eine oder zwei Forellen den Weg an den Blinker gefunden hatten. Die nächsten Kameraden hatten sogar mit der Fliege gefangen. 

Also ran an die Arbeit. Der kräftige Westwind verbannte uns an die Ostküste. Im Windschatten der steilen Ufer war die Fliegenrute erste Wahl. Doch mit bescheidenem Ergebnis. Am Morgen des letzten Tages dann eine kleine Welle außerhalb der Wurfweite. Rein ins Wasser und ab die Fliege in einen Schwarm schöner Fische. 


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Lahn
Juni / Juli 2004

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Wieder auf Barben. Das Ergebnis des letzten Jahres war alles in allem nicht befriedigend. Zu viele Aussteiger. Vor allem die Großen. Und dieses Jahr? Keine einzige Barbe im Drill verloren. Und nur große gefangen. Keine kleiner als 45cm. Die Krönung: Ein halbstündiger Drill an der 4er Rute bis weit ins Backing. 3 kg reine Power. Was für ein Anblick.

Im Grunde habe ich im Vergleich zum vergangenen Jahr die Technik nur unwesentlich verändert: 

Ich angele nicht mehr orangefarbende Bachflohkrebse mit Epoxy-Panzer sondern orangefarbene Bachflohkrebse mit Panzer aus Schaumstoff, der auf Fliegenfischer-Deutsch "Polycelon" oder "Fly Foam" heißt. 

Die Fliege hat mehr Auftrieb und schwebt in der Strömung über den Grund. Die Rettungsquote bei Hängern stieg beträchtlich und der Haken saß bei fast allen Barben im Maulwinkel und nicht mehr über der Maulspitze.


 



©  Prof. Dr. Sören Knoll - Radolfzeller Straße 115 - 78476 Allensbach - soeren@soeren-knoll.de 



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